Die Europaschule Rheinberg setzt seit vielen Jahren einen besonderen Schwerpunkt auf historisch-politische Bildung und gelebte Erinnerungskultur. Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit sind die regelmäßig stattfindenden Gedenkstättenfahrten nach Straßburg und Krakau, die Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Geschichte nicht nur im Unterricht zu erarbeiten, sondern vor Ort zu erleben und zu reflektieren.

Die Fahrt nach Straßburg verbindet europäische Perspektiven mit der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Ein besonderer Programmpunkt ist der Besuch der KZ-Gedenkstätte Natzweiler-Struthof, die als einziges Konzentrationslager auf heutigem französischem Boden eine eindrückliche Lernumgebung bietet. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dort intensiv mit Einzelschicksalen auseinander und reflektieren die historischen Zusammenhänge. Ergänzt wird die Fahrt durch Besuche europäischer Institutionen, wie dem Europäisches Parlament, wodurch die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas greifbar wird.

Ein noch intensiverer Zugang zur Geschichte des Holocausts erfolgt während der Gedenkstättenfahrt nach Krakau. Im Zentrum steht der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, die weltweit als Symbol für die Verbrechen des Nationalsozialismus gilt. Die direkte Konfrontation mit dem Ort des Geschehens hinterlässt bei vielen Jugendlichen einen nachhaltigen Eindruck und regt zu tiefgehender Reflexion an. Ergänzend dazu besuchen die Gruppen das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz sowie Museen und Bildungsstätten, die das jüdische Leben vor, während und nach der Shoah thematisieren. Pädagogisch begleitete Nachbereitungen bieten Raum, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten und einzuordnen.

Neben den Fahrten engagiert sich die Schule aktiv im Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Dieses Engagement zeigt sich in vielfältigen Projekten und Aktionen, die das ganze Schuljahr über stattfinden. Besonders hervorzuheben ist die jährliche Teilnahme am Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar. An diesem Tag organisiert die Schulgemeinschaft unter anderem Gedenkaktionen, Ausstellungen, Gesprächsrunden und gemeinsame Zeichen des Erinnerns, wie Schweigeminuten oder kreative Beiträge der Schülerinnen und Schüler.

Die Verbindung aus Gedenkstättenfahrten, schulischen Projekten und dem Engagement im Courage-Netzwerk macht die Europaschule Rheinberg zu einem Ort, an dem Erinnerungskultur aktiv gelebt wird. Ziel ist es, junge Menschen nicht nur über die Vergangenheit zu informieren, sondern sie zu verantwortungsbewusstem Handeln in der Gegenwart zu befähigen – im Sinne eines Europas, das für Vielfalt, Demokratie und Menschenrechte einsteht.