Beeindruckendes Zeitzeugengespräch
Ergänzung der Besuche in Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer in der NS-Zeit
Am Donnerstag Vormittag erhielten die Schülerinnen und Schüler der Europaschule Rheinberg einen besonderen Einblick in die Geschichte des Holocaust. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkstättenfahrten der Q1 und Q2 sowie die Religionskurse des Jahrgangs 10 nahmen an einem digitalen Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden Rozette Kats teil.
Kats, deren bewegende Lebensgeschichte im vielfach ausgezeichneten Bilderbuch „Damals hieß ich Rita“ erzählt wird, berichtete offen über ihre Kindheit im Nachkriegsdeutschland, das Aufwachsen unter falscher Identität sowie über den schmerzhaften Moment, in dem sie erfuhr, dass ihre Eltern und ihre Familie in den Konzentrationslagern ermordet worden waren. Ihre ruhige, eindrückliche Art zu erzählen fesselte die Jugendlichen – viele von ihnen waren während des Gesprächs sichtbar bewegt.
Auswahl unter 700 Schulen
Die Europaschule Rheinberg war vom Anne Frank Zentrum ausgewählt worden, um dieses besondere Zeitzeugengespräch führen zu dürfen – als eine von nur wenigen Schulen bundesweit. Grundlage hierfür war ein Beitrag zum Anne-Frank-Tag 2025: Die Schülerinnen und Schüler der Gedenkstättenfahrtengruppe hatten das Buch „Damals hieß ich Rita“ vertont und damit unter rund 700 Einsendungen überzeugt.
Einfühlsame Moderation durch Schüler
Das Gespräch wurde von Max B. und Max K. aus der Q1 moderiert. Die beiden Schüler führten mit großer Souveränität durch das Interview, stellten Fragen aus dem zuvor erarbeiteten Leitfaden und ermöglichten den Zuhörerinnen und Zuhörern eigene Nachfragen.
Kats berichtete von Angst, Verlust, Mut und Menschlichkeit – Themen, die die Jugendlichen tief berührten. „Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so ruhig und gleichzeitig so kraftvoll über seine Vergangenheit spricht“, sagte Jule aus der 10b im Anschluss. Andere Schülerinnen und Schüler zeigten sich beeindruckt vom Mut der Zeitzeugin, ihre Geschichte zu teilen, und betonten, wie wichtig es sei, sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung einzusetzen.
Intensive Vorbereitung im Unterricht
Vorbereitet wurde das Gespräch vom WfU-Kurs Zweitzeugen, der sich im Vorfeld intensiv mit dem Leben und Wirken von Rozette Kats auseinander gesetzt hat. Die Jugendlichen sichteten Materialien, erarbeiteten Fragen und reflektierten ihre Eindrücke. Als nachhaltiges Projekt entsteht in den kommenden Wochen ein Zweitzeugenheft, das die Gedanken, Recherchen und Reflexionen der Schülerinnen und Schüler dokumentieren soll.
Erinnerungskultur als Auftrag
Für die Europaschule Rheinberg war das Zeitzeugengespräch ein wichtiger Baustein ihrer aktiven Erinnerungskultur. „Solche Begegnungen sind unbezahlbar“, betont die Zweitzeugenlehrerin Julia Sonnenwald. „Sie zeigen jungen Menschen, wie Geschichte in persönlichen Erzählungen lebendig bleibt und welche Verantwortung wir heute tragen.“
Dank an die Sparkasse am Niederrhein
Dankbar zeigt sich die Schule für die Unterstützung der Sparkasse am Niederrhein, die die diesjährige Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz finanziell gefördert hat. Ohne diese Hilfe wären viele Projekte der schulischen Erinnerungsarbeit in dieser Form nicht möglich.
Mit dem Zeitzeugengespräch setzen die Schule und ihre Partner ein deutliches Zeichen: Gegen das Vergessen – und für eine offene, empathische und verantwortungsbewusste Gesellschaft.
Rozanna Katz










