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Kulturabend an der ESR 2020

Kulturabend2020

Das Publikum wird ruhig, die Scheinwerfer gehen an, auf der Bühne sieht man schwarze Gestalten, die ein Mädchen bedrängen. Nach einigen atmosphärisch-düsteren Augenblicken, die die Bedrohung immer deutlicher machen, löst sich die Szene auf, die Hauptdarstellerin schubst mit Hilfe einer weiteren Protagonistin „die Bösen“ weg. Das Licht wird hell und beide rufen laut „Nein!“

 

Die gespielte Szene war nicht in einem der großen Schauspielhäuser Deutschlands zu sehen, sondern in der Mensa der Europaschule Rheinberg. Für zwei einhalb Stunden bot sie einem begeisterten Publikum ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, welches es mit einer großen Bühne gut aufnehmen konnte.

Frau Koczy, die Hauptverantwortliche Organisatorin der Abendveranstaltung hatte gemeinsam mit ihren Kolleginnen Lisa Mette und Mareile Manten zur Präsentation der Projektergebnisse des vergangenen Jahres eingeladen. Das Fach Darstellen und Gestalten zeigte selbst gemachte Filmclips, modernes Schattentheater und Schauspielszenen, zweierlei Schülerbands spielten Coverversionen aus den Charts, sowie selbst komponierte Stücke und die Tanz-AG führte verschiedene selbst choreografierte Gruppen- sowie Einzeltänze auf. Außerdem gab es den ersten „Teaser“ von Erasmus + zu sehen, einem internationalen Theaterprojekt, welches Jugendliche aus Portugal, Spanien und Deutschland an der Europaschule zusammenbringt, um zum Thema „Dream a little Dream“ zu arbeiten. 

Was man als Zuschauer in der- bis auf den letzten Platz besetzen- Mensa nur ahnen kann, ist wieviel Aufwand im Vorfeld vor und hinter den Kulissen betrieben wurde, um ein so gut organisiertes, niveauvolles Programm auf die Beine zu stellen. Immerhin waren über 70 Kinder aus den Jahrgängen 5-11 als Akteure beteiligt. Ein halbes Jahr lang haben die Lehrerinnen ihren Schülerinnen und Schülern zugehört, mit ihnen Ideen entwickelt und sie in ihrem kreativen Prozess begleitet, ohne ihnen etwas Fertiges zum Nachahmen vorzusetzen. Egal ob es sich um Lieder, Tänze, Filme oder Theaterszenen handelte, alles entsprang den Ideen und der Fantasie der Jugendlichen.

Justin Roderfeld z.B., ein 15-jähriger Schüler und Teil der Band „Out of Control“ sang einen Klassiker von Oasis. „Ich singe schon so lange ich denken kann“, gab er im Interview an. „Das ist genau mein Ding. In einer Gemeinschaft Musik zu machen ist toll, da findet man Freunde und es macht mich glücklich.“

Glücklich-Sein ist ein Begriff, der in der heutigen Hochleistungsgesellschaft nicht unbedingt an erster Stelle mit Schule, Lernen und Zielorientierung in Verbindung gebracht wird. Aber gerade der Mut sich selbst zu präsentieren, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich der unmittelbaren Kritik von 250 Menschen zu stellen, ist etwas, das die Schülerinnen und Schüler am Freitagabend über sich hinauswachsen ließ. Der Applaus der Menge machte sie stolz und glücklich, stärkte ihr Selbstbewusstsein und wird sie durch Phasen ihres Schulalltags tragen, in denen ihnen vielleicht etwas nicht so gut gelingt.  Denn sie haben erlebt, dass sie als wichtiger Teil eines Ganzen zum Erfolg beigetragen und dafür Applaus geerntet haben, egal wie die nächste Mathe- oder Englischarbeit wird.

Sehr professionell waren auch die Musikbeiträge von Laura Henkel aus dem 8. Jahrgang, die u.a. ein Potpourri der „Pirates of the Caribbean“- Themes darbot.

Theater, Tanz und Musik, das sind Komponenten, die universell verständlich sind, die Menschen allen Alters, aller Religionen und aller Nationen verbinden. Auch das konnte man am Freitagabend in den Gesichtern der Gäste lesen als z.B. Nermin Hodzic sehr professionell ein schwungvolles bosnisches Lied über Liebe und seine Heimat zum Besten gab. Er wurde mit Standing Ovations belohnt. Nermin ist vor zwei einhalb Jahren mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Jetzt ist er 17 Jahre alt, macht seit 9 Jahren Musik und wird nächstes Jahr an der ESR seinen Abschluss machen.

Bei aller Begeisterung für die Kreativität und darstellerische Leistung aller Beteiligten dürfen auch diejenigen nicht vergessen werden, die sich um die Technik dieser Veranstaltung gekümmert haben. Justin Leiers aus Klasse 9c hat mit seinem Team viele Schulstunden aber auch ebenso viel Freizeit investiert, damit am Freitagabend alles buchstäblich „ins rechte Licht „gesetzt wird. „Die Lichtanlage habe ich extra für heute Abend aus meinem Zimmer abgebaut,“ gab Justin an. „Das macht die Atmosphäre doch viel schöner!“ Damit hat er recht. Die Bühne war optimal ausgeleuchtet, ein großes Equipment von Monitorboxen, Boxen, Subwoofern und Mischpulten sorgte zudem für den richtigen Sound.

Das gängige Klischee über Jugendliche, denen heutzutage oft nachgesagt wird, dass sie sich nur mit sozialen Medien befassen oder an elektronischen Endgeräten ihre Freizeit verbringen, hat Frau Kozcy mit ihren Kolleginnen und allen Beteiligten des gestrigen Abends eindeutig widerlegt: Jugend und Kultur passen hervorragend zusammen. Danke dafür!