Schwerpunkte

Angstfreies individuelles Lernen

Kompetenzorientierte Leistungsbewertung ohne Ziffernnoten

Das heutige übliche sechsstufige Zensurensystem wurde 1938 eingeführt. Zwar haben Noten den Vorteil, dass sie von jedem verstanden werden können. Ein großer Nachteil liegt aber darin begründet, dass eine Note keine Aussage darüber macht, worin genau die erbrachte Leistung des Lernenden besteht bzw. was genau in Zukunft verbessert werden muss. 

Eine transparente, angstfreie und gewinnbringende Leistungsrückmeldung muss bei einer heterogenen und inklusiven Schülerschaft des längeren gemeinsamen Lernens für jeden Einzelnen hilfreich sein in Bezug auf das weitere erfolgreiche individuelle Lernen, ohne zu frustrieren oder zu demotivieren.

Zu den Schwerpunkten der Europaschule Rheinberg zählen neben Heterogenität und Inklusion das individuelle Lernen sowie das selbstständige und forschende Arbeiten. Als wichtiger pädagogischer Schwerpunkt wurde schon in der Gründungsphase die individuelle Stärkenförderung betont und führte folgerichtig zu einem Schulkonzept, das weder das Sitzenbleiben noch die Leistungsrückmeldung in Form von Ziffernnoten zulassen konnte.
In allen Fächern wird kompetenzorientiert unterrichtet und bewertet. Die zu erreichenden Kompetenzen sind den Schülerinnen und Schülern genau bekannt und werden pro Quartal auf einem übersichtlichen Lernstandsbericht individuell ausgewiesen, und zwar auf vier Niveaustufen:

  • „Darin bist du sicher“,
  • „Das gelingt dir recht gut“,
  • „Darin bist du unsicher“ und
  • „Das gelingt dir noch nicht“.

Auf dieser Grundlage findet viermal im Jahr ein halbstündiges Lernentwicklungsgespräch mit einem der beiden Klassenlehrer/innen, den Eltern und dem Kind statt. Die Gesprächsführung übernimmt der Lernende, der zunächst seine Stärken hervorhebt und gegebenenfalls die von ihm als besonders empfundenen eigenen Produkte, die er im Verlauf des jeweiligen Quartals erstellt hat, benennt bzw. vorstellt. Bereiche, in denen das Kind im Gespräch mit den anderen Gesprächsteilnehmern Verbesserungen im Verlauf des nächsten Quartals anstrebt, lassen sich anhand der differenzierten Kompetenzbeschreibungen als Lernziele formulieren. Dabei finden sich neben fachlichen Verbesserungswünschen auch durchaus angestrebte soziale Ziele bzw. Ziele bezogen auf das Arbeitsverhalten und die Anstrengungsbereitschaft. Diese Lernzielvereinbarungen werden dokumentiert und von allen Beteiligten unterschrieben. Um die angestrebten Lernziele nicht aus den Augen zu verlieren, notieren sich die Schülerinnen und Schüler zu Beginn einer jeden Schulwoche, was sie sich für dieses Quartal besonders vorgenommen haben, in ihr Lernbegleitheft, das u.a. auch als Dokumentation des wöchentlich Gelernten dient. 

Neben der Fremdeinschätzung durch die Lehrkräfte wird die Selbsteinschätzung der Leistungen an der Europaschule Rheinberg intensiv eingefordert, um die Verantwortung für das eigene Lernen deutlich zu machen. So ermöglichen Kompetenzchecklisten, die zu Beginn jeder Unterrichtsreihe ausgegeben werden, dass die Schüler ihre Leistungen selbstständig nach jeder Unterrichtsstunde einschätzen und dokumentieren, auf welcher Niveaustufe der jeweiligen Kompetenz sie sich selbst sehen. Anhand dieser Einschätzung können die Schüler in den vier IGL-Stunden (Individuell gesteuertes Lernen) in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik einzelne fachliche Kompetenzen verbessern bzw. intensiver üben.

Zur intensiven Stärkenförderung wird das Erreichen von Zusatzkompetenzen angeboten sowie das Drehtür-Modell, das anstelle einer IGL-Stunde gewählt werden kann. Mit Unterstützung von zwei Lehrkräften beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit einem Thema, was sie am Ende des Schuljahres den Eltern und anderen Interessierten präsentieren.

Ohne Ziffernnoten gelingt es, die individuellen Stärken jedes Einzelnen ganz konkret hervorzuheben. Auf dieser Grundlage, die das Wissen um die eigene Wertigkeit erfahrbar macht und somit eine ungemein nützliche Stärkung des Selbstbewusstseins ermöglicht, entwickelt sich immer mehr ein selbstbestimmtes Leistungsprofil, mit dem auch sichtbar gemachten Schwächen konstruktiv begegnet werden kann. Vor diesem Hintergrund lassen sich Lernende beobachten, die gerne zur Schule kommen und Kompetenzüberprüfungen weitgehend angst- und stressfrei bewältigen.

Diese Form von Leistungsrückmeldung ist kongruent zum salutogenetischen Prinzip (nach A. Antonovsky). Das Prinzip der Verstehbarkeit, Sinnhaftigkeit und Handhabbarkeit bildet die Grundlage für die Qualitätsbereiche einer guten gesunden Schule und findet sich auch in weiteren Aspekten unseres Schulprogramms.